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Am vergangenen Freitag wäre „Röggelche“ Henning Schwarzhoff, Sänger der Kölner A-cappella-Gruppe „Wanderer“, vierzig Jahre alt geworden. Dies nahmen seine Freunde zum Anlass, um ihn noch einmal gebührend zu feiern und Danke zu sagen.

Viele Kölner kannten den schwergewichtigen Sänger „nur“ aus dem Karneval, denn seit 2006 mischen die „Wanderer“ mit Songs wie „Himmlich jeck“ in den Sessionen mit. Doch als A-capella-Gruppe sind sie seit der Gründung durch Henning Schwarzhoff im Jahr 2004 bundesweit unterwegs. Bereits als Achtjähriger stand das musikalische Multitalent zum ersten Mal auf der Bühne, absolvierte in späteren Jahren eine klassische Gesangsausbildung und mauserte sich zum Dreieinhalb-Oktaven-Sänger. Auf eine Musikrichtung festlegen wollte sich der Sänger jedoch nicht, sondern lebte seine Vorlieben Klassik und Musical in den Produktionen „Starlight Express“, „Cats“ und „Der kleine Horrorladen“ aus und war Teil von Soul-, Rock-, Pop- und A-cappella-Bands.

So war es auch nicht verwunderlich, dass die Geburtstags- und Gedenkfeier für Henning Schwarzhoff zu einem gigantischen Konzert ausartete. All seine Bandkollegen gaben sich ein Stell-Dich-ein in Leverkusen-Rheindorf und brachten Club-Atmosphäre in den Saal Norhausen. Sogar seine nicht mehr existente erste Funk-Band „Paisley“ war vertreten. Die ehemaligen Mitglieder kümmerten sich um die Einträge in das extra angefertigte Gästebuch und sammelten Spenden für das Schulungsprogramm „Power Pänz“ des Kinderkrankenhauses Amsterdamer Straße. Ex-Mitglied Katja Kerschkens berichtete im Talk mit Wanderer-Sänger Sascha Breuer-Rölke von seinen Anfängen: „In der Schule kannte man Henning kaum – bis zur Abifeier in der Wolkenburg, dort gab er einige Gesangseinlagen. Bei Paisley kamen dann sieben total bekloppte Charaktere zusammen. Sascha und Henning waren ein tolles Team, der eine hatte die verrückte Idee, der andere setzte noch einen drauf. Ihr habt die Wanderer erlebt, dann könnte Ihr Euch ungefähr vorstellen, wie es bei Paisley damals war. Lieber Henning, es war eine Ehre einen Teil Deines Weges mit Dir zu gehen.“ Den musikalischen Beginn machten Bass-Sänger der Wanderer Kai Z. (Von wegen Bass, da stecken auch Musical-Qualitäten drin!) mit Vocal Coach Oli Noack an der Gitarre als „Betreute Therapeuten“ und ließen mit Oldies wie „Ich düse düse düse im Sauseschritt“ die 80er aufleben. Sängerin Jeannette Marchewka hat für ihren Freund Henning extra ein Lied geschrieben und berührte mit „A smile for you“, begleitet von Musical-Komponist Martin Doepke, das Publikum und besonders Mama Schwarzhoff. Für den nächsten Song kamen der Rest der Martin-Doepke-Band und Sängerin Maggie Mackenthun hinzu. Auch Sascha Breuer-Rölke gab einen speziellen Song zum Besten. „Als ich am Klavier saß, war ich in Gedanken an Henning und plötzlich entstanden Melodie und Text. Ich wollte es heute gar nicht singen, aber meine Kollegen haben es mir so nahe gelegt.“ berichtet er mit belegter Stimme und die Konzertbesucher dankten es ihm.

Während des gesamten Abends lief eine Diashow mit Fotos des verstorbenen Sängers und seinen Auftritten über eine Großleinwand. Dies war besonders ergreifend, als die „Wanderer“ selbst die Bühne erklommen und das Publikum mit A-cappella-Highlights begeisterten. Wer Henning Schwarzhoff nur als „Röggelche“ kannte, erfuhr dann auch seine anderen Spitznamen. Im Bochumer „Riff Club“ trat er mit Pamela Falcon und Band auf. „Er war als „King of the Riff“ legendär. Wir danken seiner Mutter, dass sie ihm das Leben und das Talent zur Musik geschenkt hat.“ sprach die Sängerin die tiefsten Gedanken der Band aus. Schlag auf Schlag ging es mit den Musikdarbietungen. „Ten Ahead“ präsentierte nochmals „Desperado“ von den „Eagles“ – diesen Song hatte die Showband bereits während der Trauerfeier im Dezember gespielt. „Ich habe es geliebt Henning anzusagen, tut mir bitte den Gefallen.“ bat der Frontsänger das Publikum um eine letzte stimmen gewaltige Ansage und der Wunsch wurde ihm erfüllt. Den Joe-Cocker-Klängen folgte die „Popolski-Familie“, bei der der Allroundsänger zu Lebzeiten als „Isidor Popolski“ glänzte. Für alle diese Bands war Henning Schwarzhoff ein Unikat. Doch auch Freunde aus dem kölschen Fastelovend ließen es sich nicht nehmen, trotz auftrittsreicher Karnevalszeit vorbei zu schauen. So wurde Guido Cantz mit seinem Fahrer im Saal gesichtet, der sich einen Teil des Konzertes vor seinem Auftritt in Kölns guter Stube ansehen wollte. Bevor jedoch der erste kölsche Ton erklang, betonte Sänger Micky Brühl der Paveier: „Wir begehen mit unserer Musik wahrscheinlich jetzt einen Hardcore-Bruch, aber hier ist zumindest mehr los als eben im Gürzenich.“ Den Paveiern folgten „Brings“, die dem Sänger „Superjeilezick“ und „Kumm loss mer heim jonn“ widmeten. „Henning ist sicher auf dem Weg nach Hause.“ moderierte Peter Brings den Song an. Vom Kölschrock ging es nahtlos über zum Hardrock mit „Savage Dream“. Da es bereits auf Mitternacht zuging, hatten sich die Reihen der rund 500 Konzertbesucher gelichtet. Headbanger kamen zum Vorschein und der Saal füllte sich komplett mit Nebel. „Henning sitzt auf seiner XXL-Wolke, schaut uns zu und macht Party“ kommentierte Sänger Michael Weißenfels. Zum Finale „Highway to Hell“ fanden sich nochmals alle Künstler (bis auf Paveier und Brings, die schon wieder in Köln weilten) auf der Bühne ein, waren jedoch durch den Nebel nur schemenhaft zu erkennen. Mutter Schwarzhoff gesellte sich dazu und sang voller Inbrunst mit.

Dankesworte kamen an diesem bewegenden Abend von Mutter Schwarzhoff und Hennings Bruder Dirk und galten besonders Wanderer-Sänger Sascha Breuer-Rölke, „der Gott und die Welt für diesen Abend in Bewegung gesetzt hat“. Natürlich sei auch den Sponsoren des Saals, der Technik, allen Helfern und Spendern gedankt. Nach einer bereits in der Nacht erfolgten ersten Zählung sind 3.000 € für das Projekt "Power Pänz", das sich Kindern mit Übergewicht annimmt, zusammen gekommen.

„Sing noch ens für uns he!
Die Engel hüre zo.
Wo Du jetz wohl och bes,
ich weiß Dir jeiht et joot!
Un ich trecke minge Hoot!
Ming Fründ jetzt maach et joot!“

Dies ist die letzte Strophe des Songs, den Sascha Breuer-Rölke für Henning Schwarzhoff geschrieben hat. Im Namen aller Konzertbesucher: „Danke dafür, Sascha!“

Text und Fotos: Annette Quast