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Seit gestern ist das Geheimnis um den letzten noch nicht bekannten Wagen des Kölner Rosenmontagszug 2009 gelüftet: Die K.G. Alt-Severin wird in der Gruppe 35 mit dem Titel "Totale Globalisierung" einen Wagen mitführen, der sich mit dem US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba und dem dahinter stehenden System von Gefangenenlagern in der ganzen Welt beschäftigt.

Zugleiter Christoph Kuckelkorn stellte zu Beginn der Pressekonferenz klar, dass ihm die Menschenrechte wichtig sind. So ist ja im Kölner Rosenmontagszug 2009 bereits in der Gruppe 39 ein Wagen zur Thematik China/Tibet enthalten. Und anlässlich des 60-jährigen Geburtstag der Menschenrechtscharta hat man in Zusammenarbeit mit Amnesty Deutschland eben auch das Thema "System Guantanamo" angepackt.

Auf den Wagen sieht man gut genährte US-Soldaten, die mit Cocktail und dicker Havanna ihr Leben geniessen, während hinter dem Zaun ausgemergelte Gefangene dem Treiben mehr oder weniger freiwillig zuschauen. Die Menschenrechte liegen als Buch fest verschlossen auf dem Boden, ein Freispruch wird nicht zur Kenntnis genommen.

Der Entwurf des Wagens stammt von Thomas Willmann, gebaut wird der Wagen von Werner Blum und seinem Team.

Kuckelkorn geht bei der Pressekonferenz auf das weltweite System von US-Gefangenenlagern weltweit ein und wirft die Frage auf "Was geschieht mit den Inhaftierten, wenn das Lager wirklich geschlossen werden sollte." - Wahrscheinlich landet die Mehrheit in einem der anderen Lager, die mehr oder weniger geheim auf der ganzen Welt verstreut sind. Wo, dass soll eine Landkarte auf dem Wagen zeigen - mit Punkten für die bekannten Lager und Fragezeichen für die Länder, wo weitere Lager vermutet werden.

Fotos: Andreas Klein

Auf der Rückseite des Wagens wird der Artikel 5 der Menschenrechtscharta zu lesen sein. Darunter die beiden Logos von Amnesty International und dem Festkomitee Kölner Karneval von 1823 e. V., die bei dem Wagen eng zusammengearbeitet haben. Bei der Pressekonferenz war für Amnesty der Pressesprecher Dr. Dawid Danilo Bartelt (im Foto mit Christoph Kuckelkorn und dem Entwurf) extra aus Berlin angereist. Er erklärte den anwesenden Journalisten ausführlich die Hintergründe, insbesondere auch im Zusammenhang mit der Aussage des neuen US-Präsidenten Obama, das Lager Guantanamo innerhalb von 12 Monaten zu schließen.

Grafiker Thomas Willmann, der seit 20 Jahren bereits Entwürfe für den Kölner Rosenmontagszug fertigt, hat mit diesem Wagen erstmals ein so aktuelles und brisantes Thema aufgegriffen. Die Idee dazu kam ihm bereits im Laufe des Jahres, doch mit dem Wahlsieg von Barack Obama gewann das Thema dann weiter an Fahrt. Und Wagenbauer Werner Blum erzählte, dass der Guantanamo-Wagen sein Wunschwagen gewesen sei. Jedoch gab es einen Baustopp, der erst nach einigen Gesprächen zwischen Amnesty und Festkomitee wieder aufgehoben wurde.

Hans-Jürgen Schmitz, der 1. Vorsitzender der K.G. Alt-Severin, erklärte, dass die K.G. grundsätzlich bereits gewesen sei, kritische Themen umzusetzen. "Dass es sich dabei aber um ein so kritisches Thema handelt, davon waren wir überrascht.", so Schmitz. Gerade einige ältere Mitglieder der Gesellschaft waren vom Wagen nicht gerade begeistert - trotzdem entschied man sich dann letztendlich doch für diesen Wagen. Nach einigen Diskussionen innerhalb des Vereins stehen aber nun alle hinter dem Wagen und seinem provokaten Motiv.

Kuckelkorn stellte klar, dass es bei dem Wagenmotiv nicht gegen die USA an sich oder die Bürger der USA gehen würde, sondern gegen Gefangenenlager im Allgemeinen und das "System Guantanamo" im Besonderen. Desweiteren kündigte er an, dass ein Wagen im Kölner Rosenmontagszug zur Zeit modifiziert würde, um den lokalpolitischen Skandalen um die Herren Bietmann und Müller (beide CDU) einen Platz zu geben. Der Wagen wird verändert, aber nicht komplett neu gestaltet.